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selfcare – mehr Gelassenheit durch Selbstreflexion- warum nicht alles mit dir zu tun hat, und was aber doch

 

Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.

 

Den Spruch haben wir wahrscheinlich alle schonmal – mehr oder weniger ironisch angehaucht – gehört. Was erstmal wie eine dämliche Floskel wirkt, ist aber gar nicht mal falsch.
In dem Moment, wo wir selbst über unser Denken oder Handeln nachdenken und es hinterfragen, kommen wir im Idealfall zu einer Erkenntnis, die uns einleuchtet. Es fällt uns leichter, diese „Kritik“ anzunehmen, weil sie von uns selbst kommt.

 

„Es geht nicht um mich“

 

Du steckst im Feierabendverkehr, alles nervt, wieder mal sind einige Autos trotz stockenden Verkehrs auf die Kreuzung gefahren und versperren dir jetzt den Weg. Nachdem du in der 5. Grünphase nun endlich an der Reihe wärst zu fahren. Mega ätzend. Du regst dich auf, fuchtelst wild mit den Armen, fluchst wie ein Berserker. Nicht, dass das irgendetwas nützen würde. Es führt nicht dazu, dass es schneller geht, sondern dazu, dass du noch genervter und gestresster zuhause ankommst, als nötig.

Das Ding ist: es lohnt sich nicht, sich über Dinge aufzuregen, die du nicht ändern kannst. Stau, das Wetter, die lange Schlange an der Supermarktkasse. Ein Gedanke, der mir hierbei oft hilft, ist: „Die machen das nicht, um mich zu ärgern.“
Die alte Dame zählt ihr Kleingeld nicht so penibel und langsam ab, um mich damit zur Weißglut zu bringen, weil sie weiß, dass ich spät dran bin und sie ein böser Mensch ist.  Genauso wenig fahren die Autos auf die Kreuzung, um mir persönlich jetzt mal den Nachhauseweg so richtig schön zur Hölle zu machen. Klar, über dieses vielleicht rücksichts- oder zumindest gedankenlose Verhalten kann man schon mal den Kopf schütteln. Aber es ändert nichts. Stattdessen kannst du die Ruhe bewahren, tief durchatmen, dir verdeutlichen, dass dich die Aktion nicht mehr als eine Minute kostet und beim nächsten Mal, wenn du gedankenlos im Feierabendverkehr auf die volle Kreuzung fährst vielleicht gutmütig in dich hinein lächeln, wenn du angehupt und tonlos ausgeschimpft wirst.

 

Was ich sagen will: Wir nehmen oft Dinge und Gegebenheiten persönlich, die überhaupt nichts mit uns persönlich zu tun haben. So rein gar nichts. Im Grunde genommen haben die wenigsten Dinge und Gegebenheiten mit uns persönlich zu tun.

Bernard Roth rät in seinem Buch „Achievement Habit“[1] dazu, sich mantra-artig zu sagen „It’s not about me“.
Er erzählt von einer Situation, in der er verreisen wollte, seine Frau darüber aber nicht erfreut war. Als sie dann einige Tage nicht auf seine Telefonanrufe und Mails antwortete, schloss er daraus, dass sie wohl ernsthaft sauer auf ihn sein müsse. Am Ende fand er heraus, dass sie einen Unfall gehabt und ins Krankenhaus gebracht worden war und einfach nicht antworten konnte.
Dieses etwas drastische Beispiel zeigt ganz gut, dass wir uns selbst häufig viel zu wichtig nehmen. Und auch, dass jeder seine eigene Wahrnehmung und Wahrheit hat.
Das Aufregen und das „persönlich nehmen“ haben wiederum also tatsächlich mit uns zu tun. Wenn wir das durchschauen, können wir uns darauf einlassen und zukünftig vielleicht gelassener reagieren. Diese Erkenntnis ist dann wirklich der sprichwörtliche erste Schritt zur Besserung.

 

Susie und Sally

 

Ein weiterer Punkt, der sehr wohl mit uns und unserer Einstellung zu tun hat, ist mir außerdem sehr wichtig: Wohlwollen und Empathie.

Kennst du das Sprichwort What Susie says of Sally says more of Susie than of Sally. ?
Diesen Satz kommt mir oft in den Sinn, wenn ich bei mir einen Anflug von Neid oder Missgunst entdecke und drauf und dran bin, etwas Schlechtes über die beneidete Person zu sagen. Die Frage, die ich mir dann stelle, ist: „Was genau triggert mich da? Warum reagiere ich so?“ Denn diese Reaktion hat ausschließlich mit mir und meiner Wahrnehmung zu tun und wiederum nichts mit der Person, die ich gerade beneide oder der ich ihren Erfolg vermeintlich nicht gönne (denn sie tut das ja nicht um mich zu ärgern…).

Eigentlich besteht der Neid ja zu gleichen Teilen aus Bewunderung für die Leistung des anderen und Enttäuschung über die eigene.
Beides kommt aus uns selbst. Und deshalb können wir uns da nur an die eigene Nase packen.
Das ist reine Übungssache und ich kann sagen, dass ich das inzwischen recht gut hinbekomme. Nicht immer sofort, aber ich merke immer schneller, wenn ich gerade wieder in die „Susie-Falle” tappe… und dann zieh ich mich an der gepackten eigenen Nase wieder raus (um beide Bilder mal überzustrapazieren).

Gerade uns Frauen wird ja immer noch häufig nachgesagt, dass wir einander nichts gönnen und wir uns permanent vergleichen.
(Comparison is the thief of joy ist ein weiterer schöner Pinterest-Spruch, der mir dazu spontan einfällt.)
Wir vergleichen uns, wenn wir dabei vermeintlich schlechter wegkommen, fühlen wir uns bedroht und reagieren mit Angriff. Oder eben Zickereien, Getuschel hinter dem Rücken, Schlechtmachen des Gegenübers, um selbst besser dazustehen (kein rein weibliches Verhalten natürlich, aber schon auffällig… ist das was Evolutionäres?). Das ist ein Trugschluss, wir stehen nicht besser da, können nicht mehr, und die andere nicht weniger.

Statt zu lästern, können wir uns fragen: Wovor hab ich eigentlich Angst? Ist es in irgendeiner Weise bedrohlich für mich, dass mein Gegenüber einen tollen Erfolg (oder was auch immer Stein unseres Anstoßes war) zu verzeichnen hat. Bricht es mir einen Zacken aus der Krone, wenn ich mich mit ihr darüber freue und so auch viel positiver aus dieser Begegnung gehe? Und dann kann ich mich weiter fragen: Wie hat sie das hinbekommen und was kann ich tun, um das auch zu schaffen.

So haben wir die Chance voller Motivation und Inspiration aus der Situation zu gehen. Wir haben uns mit der anderen Person über ihren Erfolg gefreut und ihr Bestätigung geschenkt und konnten aus ihren Erfolgen und dem Weg dorthin lernen, statt uns in Neid und Missgunst zu ergeben, negative Energie zu versprühen, vielleicht sogar mit oder vor anderen zu lästern und somit viel mehr über sich selbst preiszugeben, als vielleicht gut ist. Wer will schon die Susie aus dem Sprichwort sein?! Niemand mag Susie!

 

„Was bringt mir das überhaupt?“

 

Ich habe für mich festgestellt, dass ich wesentlich entspannter und zufriedener bin, wenn ich wohlwollender durch die Welt gehe und die Ursache meiner Unentspanntheit bei mir suche und nicht bei anderen. Denn so kann ich was dagegen tun und fühle mich als „Herrin der Lage“, ich habe Kontrolle darüber, wie es mir geht und was ich an mich heranlasse. Ich kann entscheiden, wann ich mich worüber echauffiere (das kommt nach wie vor oft genug vor…) und was es schlichtweg nicht wert ist. Außerdem ist mehr Gelassenheit auch gut für den Blutdruck, lässt uns strahlen und reduziert vielleicht sogar Falten (das teste ich noch).
Oft ist Gelassenheit auch ansteckend, probier’s mal aus!

 

Text & Foto: Verena Marmann

 

 

[1]Buchtipp: Bernard Roth: The Achievement Habit: Stop Wishing, Start Doing and Take Command of Your Life. Harper Business, 2015. (englisch)

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