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Persönlichkeitsrechte schützen und sein Kind trotzdem im Internet zeigen. Geht das?

 

Bereits Ende 2012 habe ich begonnen im Rahmen meiner Reisen zu bloggen. Damals noch ohne Kind, musste ich mir noch nicht um Persönlichkeitsrechte oder den Schutz eines anderen Gedanken machen. Es ging erst mal nur um mich. 2014 eröffnete ich schließlich meinen heutigen Blog Mainzer Wohnzimmer. Zu diesem Zeitpunkt ging ich gerade in den Mutterschutz mit meiner 1. Tochter und die Inhalte sollten neben regionalen Beiträgen (die Liebe zur Stadt eben), auch Mama-Beiträge umfassen. Völlig klar, dass ich mir also auch Gedanken darüber machte, in welchem Rahmen ich mein Kind eigentlich im Internet zeigen möchte. Ein Thema, dem sich sicherlich alle bloggenden Eltern stellen müssen bzw. sollten! Wobei, letztlich ist es aus meiner Sicht die Pflicht aller Eltern, die sich auf irgendeiner Art und Weise auf Social Media-Plattformen bewegen, sich damit auseinanderzusetzen.

 

Zeige ich mein Kind (erkennbar) im Internet, da es Teil meines Lebens ist oder halte ich es aus allem raus, weil ich um seine Privatsphäre und Selbstbestimmung fürchte?

 

Ein Thema, das man unglaublich kontrovers diskutieren kann und auch schon diskutiert wurde. Letztendlich: es gibt keine abschließende Wahrheit. Jeder muss seinen Weg finden, mit dem er gut klarkommt. Jeder sollte sich der Verantwortung für sein Kind bewusst sein. Was eben diese Verantwortung einem für Grenzen auferlegt, entscheidet jeder für sich. Ohne Frage, es gibt durchaus Argumente sein Kind vor allem bildlich aus allem rauszuhalten, die einen zum Nachdenken bringen. Ich für meinen Teil habe mir ganz eigene Grenzen gezogen. Grenzen, mit denen ich gut leben kann. Grenzen, bei denen ich davon ausgehe, dass mein Kind gut damit leben kann. Diese Grenzen implizieren, dass mein Kind im Internet zu finden ist. Aber eben nicht uneingeschränkt.

Viel kritisiert werden natürlich Blogger, die ihre Kinder – gerade im Rahmen von Instagram – „vermarkten“. Die neueste Kindermode, die hippsten Spielsachen, die ökologischsten Accessoires. Das Kind als Model für die eigene Marke…die, wie natürlich klar sein sollte, nicht selten das eigene Leben finanziert. Missbrauchen solche Eltern die Persönlichkeitsrechte ihrer zumeist noch unmündigen Kinder? Ich möchte keine Antwort darauf geben, nur die Ausprägungen aufzeigen.

Aber da gibt es auch ganz viele kleine, privatere Accounts, die schlicht und einfach den Spaß mit ihren Kindern nach außen tragen. Böse Zungen nennen es einen narzisstischen Drang. Da werden die lustigsten Aktionen der Kinder in den Instagram-Stories mitgefilmt, schokoverschmierte Münder dokumentiert oder das Stillen an Mamas Brust veröffentlicht – es soll ja schließlich kein Tabuthema sein. Wollen Kinder solche Fotos von sich in 20 Jahren im Internet wiederfinden? Wie egoistisch ist dieser Darstellungsdrang? Fest steht, egal wie kritisch wir es sehen, wir schauen gerne zu. Und obwohl es diese Ausprägungen gibt, die ich mitunter auch etwas übers Ziel empfinde, ist für mich nie die Konsequenz gewesen, mein Kind von der Öffentlichkeit fernzuhalten. Wie natürlich jede Mutter bin ich stolz auf mein Kind und der Meinung, dass es das wunderbarste Wesen auf dieser Erde ist. Es würde mir schwer fallen, sie im Rahmen des Bloggens und der Themen, die ich gerne anspreche, nicht zu zeigen. Nennt es narzisstischen Drang, ich nenne es einfach mal Mutterstolz.

Trotzdem möchte ich mein Kind in einem Rahmen schützen, den ich mir persönlich gesteckt habe. Denn meine Tochter wird man auf Instagram zum Beispiel nicht weiter in den Stories finden. Warum nicht? Weil ich damit eben diese Grenzen nicht einhalten kann. In bewegten Bildern kann ich das Verhalten meiner 4-Jährigen nicht beeinflussen und natürlich muss sie für meinen kleinen Instagram-Account keine Show abliefern.

Wie sehen also meine Grenzen aus? Mein Kind ist nicht das einzige Thema in meinem Leben, das ich teilen möchte. Das impliziert, dass ich nicht jeden Tag ein Foto von ihr zeige. Im Schnitt würde ich sagen, es gibt ein Verhältnis 1 zu 10. Das heißt, vielleicht zu 10 % taucht meine Tochter in der Öffentlichkeit neben den anderen Fotos auf. Zumindest zum aktuellen Zeitpunkt.

Des Weiteren wähle ich Fotos, die ich von ihr veröffentliche, sehr bewusst aus. Das bedeutet nicht, dass es gestellte oder geplante Fotos sind. Es sind tatsächlich häufig auch Schnappschüsse. Aber es sind Schnappschüsse, die ihr auf jeden Fall schmeicheln. Niemals würde ich ein Foto veröffentlichen, bei dem Zuschauer etwas zum Lachen haben – egal wie süß es gemeint ist. Ich stelle mir jedes Mal wieder zwei absolut entscheidende Fragen: Würde sich meine Tochter schämen, wenn ich dieses Foto an ihrem 18. Geburtstag vor all ihren Freunden zeige? Und müsste sie sich schämen, wenn das Foto jemand klauen und auf einer Plakatwand in der Stadt ausstellen würde? Beantworte ich beide Fragen mit „nein“, lade ich es hoch. Fertig.

Trotzdem stelle ich in meinem Veröffentlichungsverhalten eine Veränderung fest. Ohne Frage habe ich sie als Säugling mehr gezeigt, als ich es heute mit 4 Jahren tue. Und ich mutmaße, dass ich die Fotos immer weiter zurückfahren werde, je älter sie wird. Mein ganz persönlicher Grund dafür ist, dass ich einen sehr regionalen Account führe. Sprich ein sehr großer Teil meiner Follower wohnt in Mainz oder näherer Umgebung. Es gab bereits Menschen, die mich aufgrund von Fotos meiner Tochter plötzlich im Leben 1.0 erkannt haben, als ich mit ihr unterwegs war. Je älter sie wird, desto mehr werden sie natürlich auch andere Menschen ansprechen – sei es in der Schule oder in irgendwelchen Kursen – was ihre Mutter denn da im Internet so von ihr zeigt. Aus meiner Sicht gibt es dann nur zwei Lösungen. Entweder ich beziehe sie mit ein und spreche ab einem gewissen Alter jedes Foto mir ihr ab, das auf meinem Account erscheint oder ich klammer sie einfach aus. Abschließend habe ich das noch nicht entschieden, auch wenn ich dieses Thema in den nächsten zwei Jahren sicherlich so langsam für mich und sie klären muss. Ich fühle mich mit diesem Verhalten auf einem guten Weg. Es gibt daran viel zu kritisieren, das ist mir klar. Bringe ich mein Kind damit in Gefahr alleine auf der Straße angesprochen zu werden? Wie gehe ich damit um, dass Fremde wissen, wo sie wohnt – weil ich zum einen ein Impressum auf dem Blog habe und zum anderen Fotos von unserer Terrasse mache? Aber tatsächlich ist das nichts, wovor ich Angst habe. Ich zeige mein Kind nicht nackt, nicht mal im Badeanzug, im Internet. Auch da ziehe ich eine Grenze. Und die ist konsequenter, als mancher, der zwar nie das Gesicht, aber das Kind in Badehose/Badeanzug von hinten zeigt. Ihr wisst, worauf ich hinaus möchte…

Es fühlt sich nicht an, als würde ich mein Kind seiner Persönlichkeitsrechte berauben. Denn auch wenn ich es natürlich nur mutmaßen kann, so denke ich, dass ich mit eben diesen Rechten sehr verantwortungsbewusst umgehe. Denn die oben genannten Regeln nutze ich nicht nur für meinen Blogger-Instagram-Account, sondern auch für meinen privaten Facebook-Account und meine Whatsapp-Bilder. Es gibt keine Ultraschallbilder, es gibt keine peinlichen Bilder und es gibt keine Nacktbilder. Punkt.

Möchte man das ganze Thema weiter ausdehnen, kommt man sicherlich auch zu der Frage: wie bringe ich meinem Kind grundsätzlich die Welt der sozialen Medien und des Internets nahe? Wie zeige ich ihr, welcher Darstellungsdrang noch gesund ist und ab wann es gefährlich/unnatürlich wird? Natürlich besteht die Möglichkeit, die Kinder aus allem rauszuhalten und dann ein Aufklärungsgespräch (mit 10, 12 oder 14 Jahren?) zu führen. Ich kann sie aber auch mit einbinden. Fest steht, das Thema ist für diese heranwachsende Generation ein lebensumfassendes. Jeder, der Kinder im Teenageralter hat, oder kennt weiß:  Ohne Internet läuft da nichts mehr.

Meine ganz persönliche Hoffnung ist einfach, dass ich meinem Kind durch mein Verhalten beibringen kann, dass man keine Angst haben muss, solange man sein eigenes Verhalten reflektiert. Sich Gedanken um eigene Regeln und Grenzen macht. Sich in nichts hineinpressen lässt. Und selbst zu dem steht, was man da tut. Nichts macht einen angreifbarer, als unreflektiertes Verhalten. So zumindest sehe ich das. Das zu beachten, möchte ich meinem Kind vorleben und vermitteln. Ich möchte nichts verteufeln, aber auch nichts zu naiv glorifizieren. Wie bei allem im Leben macht das richtige Maß den entscheidenden Unterschied, egal in welche Richtung.

 

 

Text: Nina Rathemacher

Foto: https://www.shutterstock.com/de/nelial

 

 

 

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