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Kooperationsanfragen – eine Anleitung für Firmen und Agenturen

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Hallo und herzlich willkommen,

vielen Dank für Ihr Interesse an meinem Blog und meiner Arbeit. Ich freue mich immer über positives Feedback und meistens auch über Kooperationsanfragen. Kooperationen auf Augenhöhe machen sehr viel Spaß und wir beide profitieren davon. Leider gehört Ihre Anfrage nicht dazu. Ihre Anfrage gehört zu denen, die mich dazu bringen diesen Post zu schreiben. Wahrscheinlich wird dieser Post lang, allerdings bin ich mir sicher, dass Sie etwas lernen werden. Ich freue mich, wenn Sie sich die Zeit nehmen und meine Worte in Ruhe lesen.

Zuerst einmal möchte ich kurz klären, in welcher Position Sie sich zum jetzigen Zeitpunkt befinden. Das ist sehr wichtig, denn mir scheint, dass Ihnen das nicht ganz klar ist. Mit Ihrer Kooperationsanfrage fragen Sie bei mir eine Leistung an. Sie wollen also etwas von mir. Wahrscheinlich wollen Sie einen Blogpost, ein Rezept oder Fotos haben. Sie sind der Fragende und ich gebe Ihnen hier eine ausführliche Antwort. Im weiteren Text finden Sie alle Aspekte, die für einen Blogger bei einer Kooperationsanfrage oder auch Zusammenarbeit wichtig sind. Mit Sicherheit treffen nicht alle Punkte auf Ihre Anfrage zu. Bitte verstehen Sie, dass ich nicht für jede Anfrage eine individuelle ausführliche Antwort schreiben kann.

 

Wertschätzung

Wie jeder andere Mensch auch, möchte ich, dass meine Arbeit wertgeschätzt wird. In einer Massen-e-mail ohne persönliche Anrede drücken Sie das nicht aus. Bitte sagen Sie mir, warum Sie mit mir zusammenarbeiten wollen und wieso Sie meinen Blog gewählt haben. Schauen Sie sich vor Ihrer Anfrage meinen Blog an, damit Sie wissen, womit Sie es zu tun haben. So lassen sich Missverständnisse im weiteren Verlauf vermeiden und ich fühle mich nicht wie eine Nummer, die zufällig auch diese Anfrage bekommen hat.

 

Bezahlung

Ein Blogpost dauert in der Regel 8-10 Stunden an Arbeit. Meine Bloggerkollegen und ich erarbeiten Konzepte, entwickeln Rezepte, recherchieren, machen Fotos und schreiben Posts für unsere Leser, für Firmen und für uns selber. Wir machen das mit einer großen Leidenschaft, viel Herzblut und Qualität. Egal, was Sie bei mir angefragt haben, Sie möchten Content von mir haben und das kostet Geld. Vielleicht fragen Sie sich jetzt warum?! Das möchte ich Ihnen gerne erklären: 1. stecke ich viel Zeit in einen Blogpost 2. kaufe ich oft Sachen für den Post und 3. mache ich Werbung für Sie oder Ihre Firma. Damit an dieser Stelle keine Missverständnisse auftreten, wir sprechen hier nicht von einem Obolus oder einem Taschengeld, es geht nicht um eine wahllose Bezahlung. Es geht um eine angemessene Bezahlung für meine Arbeit. Sie wollen von mir qualitativ hochwertige Arbeit, also müssen Sie dafür bezahlen. Wenn Sie sich z. B. ihr Badezimmer fliesen lassen, bezahlen Sie dafür? Suchen Sie sich den billigsten Fliesenleger oder den, der qualitativ hochwertige Arbeit abliefert? Bezahlen Sie im Supermarkt den Preis vom Preisschild oder bestimmen Sie einfach einen neuen Preis? Sehen Sie, ein Produkt kostet immer Geld. Genauso, wie bei anderen (Dienst-)Leistungen ist es beim Bloggen. Vielleicht hilft es Ihnen an dieser Stelle, sich den Blogpost als Produkt, was aus viel Arbeit heraus entsanden ist vorzustellen?!

Ein Standardsatz in E-Mail-Anfragen ist, dass das Budget nur sehr knapp ist. Leider muss ich Ihnen sagen, dass mir das egal ist und ich das nicht als Begründung für eine geringere Bezahlung werten kann. Wenn Ihr Chef einen schlechten Monat mit der Firma hatte, sind Sie dann mit weniger Gehalt zufrieden? Natürlich nicht, denn sie haben ja trotzdem jeden Tag 8 Stunden gearbeitet.

Sollten Sie nicht bereit sein einen Blogger mit einer fairen Summe zu bezahlen, dann schicken Sie bitte keine Kooperationsfragen an Blogger raus. Vielleicht erstellen Sie das angefragte Produkt einfach selber oder haben eine Nachbarin, die das vielleicht kann?!

 

alternative Bezahlungen

Sehr häufig werden mir anstelle von Geld Produkte als Bezahlung angeboten. Grundsätzlich ist das legitim und macht in ganz seltenen Fällen sogar Sinn. Wenn ihr Produkt einen sehr hohen Wert hat und ich es wirklich gut gebrauchen kann lasse ich mich vielleicht darauf ein. Meistens werde ich ihr Angebot jedoch ablehnen müssen, denn der Wert ihres Produktes steht in keinem Verhältnis zu meiner Arbeitszeit. In den letzten vier Wochen wurden mir für einen Blogpost als Bezahlung u. a. jeweils ein Dymo-Prägegerät, ein Thermokaffeebecher, ein Blumenstrauß, ein Buch, zwei Poster und drei Gewürze angeboten. Sagen Sie doch mal, würden Sie für eine dieser Sachen 8-10Stunden arbeiten?

Wenn Sie Produkte mit so einem kleinen Wert gerne in die Blogosphäre bringen wollen, fragen Sie bitte nicht nach einem Blogpost. Denken Sie doch über Alternativen nach. Würden Sie sich über ein kleines Geschenk freuen? Angenommen, dieses Geschenk würde Ihnen gefallen, würden Sie dann Freunden davon erzählen? Also fragen Sie per E-Mail beim Blogger nach, ob er Interesse an Ihrem (unverbindlichen) Geschenk hat, so landet Ihr Geschenk nicht bei jemandem, der es gar nicht gebrauchen kann. Wahrscheinlich bekommen sie einige positive Rückmeldungen. Ist der Blogger mit Ihrem Geschenk zufrieden, dann erzählt er es vielleicht über seine Social Media-Kanäle weiter.

 

Do-/No-Follow Links

Immer wieder versuchen Firmen mich dazu zu bringen, Kooperationen einzugehen, bei denen Blogposts mit Do-Follow Backlinks versehen werden sollen. Auch wenn ich mir sicher bin, dass Sie das wissen, erkläre ich noch einmal, warum das unter keinen Umständen geht. Mir ist klar, dass Sie gerne Do-Follow Links möchten, damit der Link von Google anerkannt und somit ins Seitenranking einbezogen wird. Jedoch ergibt sich daraus ein großes Problem für mich, denn ich verstoße gegen die Richtlinien von Google. Ich bin dafür, dass Nutzer und Leser in keinem Fall getäuscht werden, und werde gekaufte Links nie mit Do-Follow versehen. Davon abgesehen verstehe ich auch nicht, warum ich eine Abmahnung riskieren soll, damit Ihre Backlinks vom Googlebot erkannt werden und Ihre Seite höher gerankt wird.

Damit die Suchergebnisse nicht durch bezahlte Links beeinflusst und damit die Nutzer nicht getäuscht werden, fordern wir Webmaster nachdrücklich auf, für solche Links das Attribut nofollow zu verwenden. Die Richtlinien für Suchmaschinen schreiben bei bezahlten Werbelinks einen maschinenlesbaren Hinweis vor. Dies ist vergleichbar mit der Kennzeichnung von Werbung in Online- und Offlinemedien gegenüber den Verbrauchern. So werden beispielsweise ganzseitige Werbeanzeigen in Zeitungen häufig durch die Überschrift „Anzeige“ gekennzeichnet (Quelle: Google Richtlinien)

Hiermit weise ich Sie außerdem darauf hin, dass Sie mich mit der Anfrage nach bezahlten Do-Follow Links dazu anstiften gegen die Richtlinien von Google zu verstoßen. Der Link würde auf meinem Blog stehen, das befreit Sie jedoch nicht von Verantwortung. Ich bitte Sie unbedingt von Anfragen solcher Art abzusehen. Nicht nur ich als Blogger bin dann abmahnfähig, sondern auch Sie als Einkäufer der Verlinkung.

 

Kennzeichnungspflicht

Neben der Bezahlung und dem Setzen der Links ist der Umgang mit der Kennzeichnungspflicht ein oft auftretendes Problem. Mehrmals pro Woche werde ich in E-Mails mit Kooperationsanfragen darum gebeten einen bezahlten Blogpost nicht zu kennzeichnen. Auch hier werden Sie mindestens genauso gut wie ich wissen, warum Sie das versuchen. Trotzdem erkläre ich gerne, warum Sie das nicht tun sollten. Als Blogger bin ich unabhängig und schreibe immer meine eigene Meinung nieder. Meine Leser vertrauen darauf und das ist mir extrem wichtig. Ich biete auf meinem Blog Transparenz, damit der Leser immer weiß, was der Hintergrund/die Motivation zu jedem einzelnen Blogpost ist.

In Deutschland herrscht ein Verbot von Schleichwerbung, d. h. sobald ich für einen Blogpost bezahlt werde, bin ich dazu verpflichtet das offen darzustellen und tue das auch. Es ist per Gesetz verboten einen Blogpost bezahlen zu lassen und diesen nicht als „Werbung“ zu kennzeichnen. Sie fänden es schöner, würde ich nicht Werbung über den Post schreiben? Dann stiften Sie mich dazu an Schleichwerbung zu betreiben und machen sich genau dann strafbar.

 

Sie haben keine Zeit?

Wenn Sie mit mir zusammenarbeiten, liefere ich Ihnen authentische Werbung für Ihr Produkt. Jegliche Art von Werbung kostet Sie in der Regel nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Werbung über Blogger zu schalten ist in diesem Punkt genauso zeitintensiv, wie beispielsweise eine Anzeige in Auftrag zu geben. Bitte nehmen Sie sich Zeit, um mit mir alle Punkte unserer Zusammenarbeit genügend zu besprechen.

 

Sie wussten das alles nicht?

Pech gehabt! Da ich für die von mir ins Internet gestellten Inhalte die Verantwortung trage, investiere ich viel Zeit um mich in Sachen Recht auf dem Laufenden zu halten. Genauso, wie ich dazu verpflichtet bin, sind Sie das auch. Sonst können weder Sie noch ich unseren Job machen. Investieren Sie diese Zeit oder lassen Sie die Bloggerrelations bleiben. So werden Sie nicht glücklich im Internet!

 

der Profitipp

Stellen Sie sich die Bloggerszene bitte mal als ein kleines Dorf vor. Jeder Bewohner wohnt in seinem Haus und kümmert sich um dieses. Beim Einkaufen trifft er andere Bewohner des Dorfes und unterhält sich mit diesen, mit den Nachbarn ist er befreundet und die Kinder gehen mit den Kindern von anderen Bewohnern zur Schule. Die meisten Bewohner dieses Dorfes kennen sich oder sind vernetzt und natürlich findet ein großer Austausch zu sämtlichen Themen statt. Alle haben Interesse an ihrem Dorf und einem guten Zusammenleben. Gehen Sie immer davon aus, dass sich Blogger untereinander austauschen!

Dieser Blogpost enthält nicht meine eigene Sichtweise, sondern Tatsachen, die sich nicht anders drehen lassen. Für Feedback bin ich sehr offen. Sie dürfen sich gerne jederzeit per E-Mail oder Kommentar bei mir melden!

 

 

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14 Comments

  • Reply
    nike
    22. Oktober 2016 at 0:27

    Großartig geschrieben, Berit! Den Link werde ich mit Sicherheit auch das ein oder andere Mal weiter empfehlen!

  • Reply
    Birgit Schultz
    22. Oktober 2016 at 15:01

    Hallo Berit,
    dem ist nichts hinzuzufügen. Danke für diesen klar formulierten Beitrag, den ich bestimmt häufiger verlinken werde. :)
    Zauberhafte Grüße
    Birgit

  • Reply
    Sandra
    23. Oktober 2016 at 11:26

    Hallo Berit. Sehr gut und konkret beschrieben. Weiter so. Aufklärung ist alles. Besonders das Bild vom Bloggerdorf hat mir gut gefallen und gibt auch uns Bloggern nochmals den Push – sich im Endeffekt doch noch viel mehr zu vernetzen und auszutauschen! Lg Sandra

  • Reply
    Anastazja
    23. Oktober 2016 at 17:28

    Ich würde sagen, der Artikel fällt unter die Kategorie „Pimmel auf den Tisch“. Schön. Gefällt mir gut und ich habe nichts hinzuzufügen.

  • Reply
    Katja
    23. Oktober 2016 at 19:14

    Schön geschrieben und meiner Meinung nach auch nicht zu hart. Du hast alle Punkte angesprochen, über die wir uns wohl alle immer wieder aufregen. Es sollte eine Blogger Relations Richtlinie geben an die sich Firmen halten müssen.

  • Reply
    Sandra
    23. Oktober 2016 at 21:03

    Ganz toller Post! Den Firmen sollte echt mal die Augen aufgemacht werden! Mir wurde für ein Post beispielsweise mal als Entschädigung Fotos der Produkte geboten, die speziell für meinen Blog gemacht werden. Habe das Gefühl, dass die Anfragen wirklich immer dreister werden und bin echt enttäuscht, dass die Arbeit von Bloggern oft nicht erkannt wird.

    Ganz liebe Grüße,

    Sandra von http://fashionholic.de

  • Reply
    Sandra
    23. Oktober 2016 at 22:28

    Hallo Berit,

    ganz super geschrieben, alles genau auf den Punkt gebracht! Dem ist wirklich nichts hinzuzufügen. Und ich werde diesen Beitrag auch demnächst verlinkten! ? Vielen Dank für diese wahren Worte!

    PS. : Hier schaue ich gerne öfter vorbei! ?

    Liebe Grüße
    Sandra

  • Reply
    Monika Thiede
    24. Oktober 2016 at 8:10

    Perfekt! Dem ist nichts hinzuzufügen! Danke für diesen Artikel, den ich gerne teilen werde!!!
    Liebe Grüße
    Monika

  • Reply
    Tina Gallinaro
    24. Oktober 2016 at 11:14

    Hallo Berit, ich bin begeistert über deine klaren Worte und habe den Beitrag auch eben schon wild durchs Netz geteilt. Qualität kostet eben und wer nicht bereit ist, angemessen zu zahlen, hat Pech gehabt, Punkt!

  • Reply
    Kathrin
    24. Oktober 2016 at 22:00

    Liebe Bert,
    Ich bin Dir sehr dankbar für diesen ehrlichen Text! Ich lerne ebensoviel daraus wie ich Dir zustimme! Liebe Grüße Kathrin

  • Reply
    schminktante Anja
    24. Oktober 2016 at 22:58

    APPLAUS, APPLAUS, APPLAUS!!!!!!!! *wedeltwieverrücktmitbeidenarmen*
    Du solltest diesen Text zum Download ins Netz stellen (natürlich gegen Bezahlung).Ich würde das Angebot SOFORT nutzen und manchen potentiellen Kooperationspartnern damit die Augen öffnen. Man kann das nämlich einfach nicht besser ausdrücken und zusammenfassen, wie Du es hier getan hast.
    DANKE DAFÜR! Liebe Grüße

  • Reply
    Garten Fräulein
    25. Oktober 2016 at 19:03

    Du sprichst mir aus der Seele! Morgen darf ich einen Vortrag zum Thema „Zusammenarbeit mit Bloggern“ halten und all die Punkten stehen schon seit Tagen in meiner Präsentation. Ich werde aber nochmal auf deinen Beitrag hinweisen :-)

  • Reply
    Das kleine Schwarze ... Moralpredigt im Cocktailkleid - Neues von der SchminktanteNeues von der Schminktante
    27. November 2016 at 8:54

    […] von Marmeladekisses hat dazu einen großartigen Text geschrieben, den ich euch hier gern verlinke, weil sonst mein Text wird NOCH LÄNGER […]

  • Reply
    [Linklove] Part II - Missyswahnsinn
    21. März 2017 at 11:46

    […] hat einen sehr kritischen Beitrag zum Thema Kooperationsanfragen an Blogger geschrieben – absolut […]

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