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Interview mit der Fotografin Elif Kücük

 

Wir alle haben diese Menschen, die wir auf Instagram ein bisschen anhimmeln, oder? Das ist ja das Schöne an Instagram: wir haben Zugriff auf eine Menge Inspiration von unterschiedlichsten Leuten. Personen, die ich auf Instagram anschmachte sind meist welche, die ganz besondere Fotos machen. Ne, keine weißen, glatten Bilder von Deko oder vom Happylife, sondern Fotos mit so richtig Herz & Seele und unbedingt auch mit dicken Kanten. Die Elif aka Castor Pollux ist so eine Person für mich. Ich folge ihr seit ganz langer Zeit, es müssen schon Jahre sein und ich liebe ihre Fotos! Elif ist Foto- & Videografin und Artdirektorin und lebt in Berlin. Ich finde es sehr spannend von Leuten wie Elif ein bisschen Hintergrundinformationen zu ihrer Arbeit zu bekommen. Ich frage mich dann immer so Sachen wie z.B. „Welche Kamera nutzt sie wohl?“ oder „Wie hat sie ihren Stil gefunden?“ Na, ja, und weil ich so neugierig war, habe ich Elif ein paar Fragen gestellt. Liebe Elif, ganz vielen Dank für deine Zeit und deine wundervollen Fotos <3

 

 

Wie bist du Fotografin geworden?

Ich war schon immer sehr visuell in meinem Denken und meiner Ausdrucksweise. Als Kind begann ich inspiriert von Animes und Mangas ununterbrochen zu zeichnen. Bilder waren immer sehr wichtig. Im Zuge meines Studiums vernachlässigte ich das Zeichnen jedoch sehr. Ich fotografierte dafür aber immer mehr mit meinem iPhone und bearbeitete die Bilder auf meinem kleinen Handydisplay. Es bereitete mir unglaublich viel Freude. Vor drei Jahren kaufte ich mir schließlich meine erste Spiegelreflexkamera und stellte meine Bilder auf Instagram, später dann auf meinen Blog. Irgendwann häuften sich die Fragen, ob ich professionelle Fotografin sei. Diese Frage stellte ich mir auch. Ich entschied mich dazu, das visuelle Arbeiten zu meinem Beruf zu machen – es wenigstens zu versuchen, mich nicht länger von Ängsten und diesen fiesen Selbstzweifel lähmen zu lassen. Ich bereue es kein bisschen.

 

Deine Fotos haben deinen eigenen Stil. Hast du Tipps, wie man beim Fotografieren zum eigenen Stil findet?

Es ist recht schwierig zu erkennen, ab wann und ob man einen eigenen Stil überhaupt besitzt. Wir werden stets von Bildern überflutet und eine Beeinflussung von außen ist daher total normal. Ich kenne viele, die leider etwas frustriert sind, weil sich vieles auf Social Media visuell wiederholt. Alles scheint von einander kopiert worden zu sein. Die Suche nach Originalität und Authentizität kann jedoch auch irreführend sein. Ich versuche mich davon nicht zu sehr einnehmen zu lassen. Es gibt auch kein Rezept, wie man den eigenen Stil finden kann. Man kann in diesem Zusammenhang nur von einem stetigen Prozess sprechen – von Entdeckungen und nicht zuletzt Brüchen mit sich selbst und den eigenen ästhetischen Vorstellungen. Diese sind notwendig und können sehr produktiv sein.

 

Die Menschen sind auf deinen Fotos oft die Hauptakteure. Die Körper sind aussagekräftig positioniert, inszeniert und abgelichtet. Ist das dein Stil oder steckt da noch mehr hinter?

Ich denke, die Fokussierung auf Körper und Gesichtsausdruck sind durchaus Merkmale meiner Arbeit. Dabei verwende ich häufig die Ästhetik der Mode- und Werbefotografie zur Inszenierung von Körpern, die in der Regel nicht mit dieser Ästhetik assoziiert werden. Die Darstellung dieser Körper ist Teil meiner Arbeit. Ich bin keine Dokumentarfotografin und komponiere meine Bilder am liebsten von Anfang bis Ende. Natürlich entscheidet sich auch viel im Moment des Fotografierens, doch denke ich auch viel über Licht, Stilistik, Atmosphäre, Umgebung, Kleidung und Make-up im Vorfeld nach; erstelle Moodboards, schreibe Mindmaps und Notizen und kaufe auch vorher die nötigen Accessoires usw. ein.

 

Woraus besteht dein Equipment?

Ich arbeite mit meiner Canon 5D Mark IV und dazu sehr gerne mit meinem 70-200mm Objektiv für Portraitaufnahmen. Ansonsten habe ich noch das 24-70mm und das 50mm. Daneben habe ich noch meine erste Kamera, die 700D mit dem Sigma 18-35mm, was ich jedoch eher als Zweitkamera für Videos benutze.

 

 

Gibt es etwas das du einem Fotoanfänger mitgeben wollen würdest?

Am Anfang können all die technischen Anforderungen rund um Kameras, Licht, Objektive und Bearbeitungsprogramme sehr einschüchternd sein. Ich würde jeder*m ans Herz legen sich davon nicht zu sehr beeindrucken zu lassen. Blende, ISO, Verschlusszeit, Weißabgleich und Fotobearbeitung werden früher oder später gelernt. Geduldiger Tatendrang ist da am besten. Also üben, üben, üben und sich nicht entmutigen lassen. Denn das Wichtigste bei der Fotografie ist tatsächlich Kreativität und ein Sinn für Ästhetik.

 

Welche aktuellen Projekte liegen dir besonders am Herzen?

Im Juni haben Moshtari Hilal, Tasnim Baghdadi und ich das Kunstkollektiv Nachbild (http://nachbildkollektiv.de/) gelauncht. Eine Plattform, die neben der eigenen visuellen Arbeit als Kollektiv auch weitere Künstler*innen of color, die in Deutschland sozialisiert wurden, durch Ausstellungen unterstützen möchte. Es ist ein sehr aufregendes und wichtiges Projekt, das mir sehr am Herzen liegt.

 

 

 

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Wenn ich kein Shooting habe, fängt mein Tag in der Regel gegen 9 Uhr in der Küche an, ich koche mir zunächst einen Kaffee und trinke ihn dann auch häufig dort – lese Nachrichten, beantworte Emails, stöbere auf Social Media. Danach setze ich mich in mein kleines Arbeitszimmer und das ganze Editing fängt an. Mir wurde gesagt, dass ich schwer aus meinem kleinen Büro rauszukriegen sei. Ich bin tatsächlich ein Workaholic.

 

Wo und wie findest du Inspiration für dich und deine Ideen?

Es ist recht unvorhersehbar. Farben, Formen, Gerüche, Gesichtsausdrücke von mir bekannten oder auch häufiger unbekannten Menschen – all diese Dinge können mich zu einem bestimmten Projekt inspirieren. Manchmal als grobe Grundlage oder Richtung, manchmal als kleines, feines Detail von etwas Größerem. Aber meistens sind es doch visuelle Eindrücke.

 

Hast du drei Lieblingsaccounts auf Instagram?

@monmostari @tasnimbaghdadi @nowness – bei den ersten beiden handelt es sich um meine wundervollen Freundinnen und Mitbegründerinnen von Nachbild. Unsere Freundschaft und Zusammenarbeit als Künstlerinnen begann tatsächlich auf Instagram. Die künstlerischen Arbeiten und unsere Reaktionen darauf waren unser erster Kontakt.

 

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2 Comments

  • Reply
    Wolfgang Nießen
    7. September 2017 at 16:10

    Ein sehr interessantes Interview, einige von den Fragen habe ich mir auch schön öfters gestellt. Auch, wenn ich die Klasse, die auf den Bildern (Das sind ja schon keine einfachen Fotos mehr) deutlich wird, nie erreichen werde, halte ich mich ans Üben, anders geht es wohl nicht.
    Danke für den sehr gelungenen Post.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

    • Reply
      Berit
      12. September 2017 at 13:32

      Hallo Wolfgang,
      genau das denke ich auch. Ich übe einfach weiter :)

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