whatever stuff

Bin ich eigentlich schön?

Bin ich eigentlich schön? Seit Monaten stelle ich mir immer wieder genau diese Frage. Keine leichte Frage. Manchmal so schwer, dass sie sich als dumpfes Gefühl auf mich legt. Ich suche dringend nach einer Antwort und bleibe dabei selbst auf der Strecke. Manchmal glaube ich, dass es gar nicht um Antworten sondern um meine Einstellung geht. Warum mich diese Frage so sehr beschäftigt? Das Thema Schönheit schwillt da schon sehr lange in meinem Unterbewusstsein und ich halte es für sehr wichtig, sich damit auseinanderzusetzen. Lange habe ich gekonnt verdrängt, dass mich die Erwartungen der Gesellschaft und der Druck der Medien auf mich, als Frau, doch manchmal erwischt. Ich bin selbstbewusst und habe keine ernsten Probleme mit meinem Körper. Trotzdem erwische ich mich dabei, wie ich in die Selbstoptimierungsfalle tappe. AUTSCH! Zeitschriften, Blogs und Instagramaccounts sagen uns, wie wir zu leben haben und wie wir aussehen sollten. An den meisten Tagen geht mir das am Arsch vorbei und mir ist sehr bewusst, dass das zu einem großen Teil Fake ist. Obenrum schön geschminkt und die Haare gemacht für das tägliche Selfie und untenrum die zerbeulte Leggings und gerade die Periode. Wir werden gefüttert mit Themen wie seidige Haare, neue matte Lippenstifte und glatte Haut. Diese Frau auf Instagram verschweigt uns aber, dass sie genau an diesem Tag einen Blähbauch, Krämpfe und unfassbaren Weltschmerz hat. Ganz normale Nebeneffekte, wenn sie ihre Tage hat, aber eben nicht das, was wir sehen oder hören wollen. Hier geht es nicht um richtig oder falsch. Sondern ums Nachdenken!

Dann gibt es da diese seltenen Tage, die noch zu häufig sind, an denen ich anbeiße. Da gehe ich durch mein Leben und plötzlich schaltet sich mein Kopf aus und ich hänge an irgendeinem Selbstoptimierungsköder. Dann denke ich nicht mehr nach, sondern möchte auch so sein. Dieser kurze Moment reicht aus, um mich ernsthaft zu fragen, ob ich nicht auch so eine schwarze, abziehbare Gesichtsmaske brauche. Auf mir im Nachhinein nicht erklärliche Weise stellt sich mir solch eine Maske plötzlich als total sinnvoll dar. Es ist schon mal so weit gekommen, dass ich mir die Maske auf einer Internetseite angeschaut habe, bestellt habe ich sie nicht. Jetzt, in einem Moment, in dem ich darüber nachdenke, weiß ich, dass ich diese Maske nicht brauche. Meine Haut bereitet mir null Probleme und diese Masken sind absolut überteuert. Außerdem kann ich mir Masken in null komma nix selber zu Hause mischen. Die Maske ist nur der seichte Beginn zum Abstieg in die wirklich ekelhaften Tiefen! Täglich wird mir präsentiert, wie ich auszusehen habe: schlank, sportlich, mit vollem Haar, ausdrucksstarken Augenbrauen, perfektem Lidstrich und schönen Klamotten. Dabei soll ich noch der Girlboss mit viel Willenskraft, Kreativität und einer (vorgegaukelten) Meinung sein. Mit der Maske fängt es an, bei den Fakelashes hört es auf? Oder bei den microgebladeten Augenbrauen? Oder bei den Extensions? Bei dem rasierten Körper? Bei den immer frisch lackierten Nägeln? Bei meinen 38 Lippenstiften? Ich weiß es nicht. Manchmal verliere ich mich im Schönheitsdschungel! Das Angebot ist so riesig, die mir aufgedrückte Notwendigkeit so groß. Zu groß!

 

Ich habe mich entschieden! Heute steige ich aus. Das wird nicht sofort funktionieren, aber ich begebe mich heute ganz bewusst auf den Weg dahin. Die Tage, an denen ich an euren Ködern anbeiße, sollen noch seltener werden und irgendwann verschwinden. Ich kann eure Erwartungshaltung an mich und andere Frauen nicht ertragen!

Morgens bei meinen Yogaübungen soll ich neonfarbene Yogatights tragen und dabei gut aussehen. In Wahrheit nehme ich mir vor jeden Morgen 20 Minuten Yoga zu machen und scheitere schon in der ersten Woche. Aussehen tue ich dabei unbeweglich und dazu trage ich meine Schlafanzughose mit Hochwasser und Bärchen drauf. Ihr pflanzt mir ein Bild von der modernen Frau in den Kopf, auf dem sie morgens super fresh ihre Sonnengrüße macht. Da sind keine Augenringe, ich sehe keine Schminke vom Vortag, keine Zweifel und keine Angst. Wenn ich mich an euren Bildern orientiere, mache ich schon in der ersten Woche nicht jeden morgen Yoga und fresse am Wochenende frustriert Schokolade. Das macht mir Angst! Das passt doch nicht zusammen! Beim Yoga geht es um Selbstakzeptanz und Selbstliebe. Yogaübungen funktionieren ohne Druck und mit Gefühl für meinen Körper und mein Wohlbefinden. Über das Schönheitsbild, was die Medien uns vermitteln vergessen wir unsere wahre Schönheit. Schönheit ist Selbstliebe, Zufriedenheit und das Wohlfühlen im eigenen Körper. Eben nicht ein perfektes Äußeres optimiert mit sämtlichen Mitteln. Das ist nur eine Hülle.

Die moderne Mutter soll alles im Griff haben, ihr Kind richtig erziehen, arbeiten, sich selbst verwirklichen, kreativ sein und gut aussehen! Auch wenn ich keine Mutter bin, kann ich vermuten, dass das nicht möglich ist. Das ist ein Fake! Beim Nachdenken über Schwangerschaft, Geburt und die Veränderung des gesamten Lebens durch ein Baby kann uns nur klar werden, dass das Bild der heutigen Mutter in den Medien eine Lüge ist!

Meine Vorstellung von Schönheit ist letztendlich folgende: Wir sind vor allem schön, wenn wir den Selbstoptimierungswahnsinn nicht mitmachen. Den Erwartungen hinterherzuhecheln kostet uns zu viele Nerven und lässt uns den Bezug zu unserer Schönheit verlieren. Wir müssen gar nicht unbedingt schön aussehen, sondern uns schön fühlen. Daran möchte ich arbeiten, mein Leben lang. Jeder sollte für sich selber entscheiden dürfen. Eine Frau mit geföhnten Wellen und eingesteckten Extensions ist nicht automatisch schöner, als die mit den ungekämmten Haaren im Dutt. In meinen Augen ist die Frau schön, die sich echt schön fühlt! Das klingt etwas nach Plattitüde oder gar Kalenderspruch, ist aber ganz ehrlich gemeint. Vom Kalenderspruch losgelöst, als anstrebenswerte innere Einstellung klingt es plötzlich bedeutend, finde ich.

Wie das gehen soll? Ganz genau weiß ich das auch nicht. (Vielleicht gibt es demnächst weitere Posts über meinen Weg dorthin?!) Ganz sicher kann ich sagen, dass ich meine Handlungen in Sachen Schönheit und Wohlbefinden noch mehr hinterfragen möchte. Ich entscheide, wie ich mich schön fühle. Wenn ich mich mit dem dunklen Lippenstift gut fühle, dann trage ich den, wann immer ich möchte. Wenn ich ohne Make-up rausgehen mag, dann ist auch das gut. Es geht, wie gesagt, nicht um richtig oder falsch, sondern darum mich wirklich zu fragen: Fühlt sich das für MICH gut an? Wie fühle ICH MICH schön?

Please like & share:

You Might Also Like...

13 Comments

  • Reply
    Fee
    20. April 2017 at 19:20

    Ein wundervoller Post mit viel Wahrheit. Auch ich fühle mich zu oft nicht schön, hadere mit meiner durch die Medikamente picklig gewordenen Haut und den Spritzendellen. Ich glaube, Schönheit hat auch viel mit Glück zu tun. Wer glücklich ist, strahlt von innen! Wer glücklich ist, ist weniger anfällig für Impulse von außen. Auch ich will wieder mehr versuchen, mit mir im Reinen zu sein! Toi toi toi für uns beide :)!

  • Reply
    Björn Koslowski
    20. April 2017 at 19:27

    Einfach nur ein fettes BRAVO!!!!!!!

  • Reply
    michaela
    20. April 2017 at 20:23

    Berit, ein sehr schöner Post …. und ja ich hadere oft mit mir selber weil irgendwas hinten runterfällt…. mal der Job, mal die „Schönheit“, mal der Mann und manchmal das Wehwechen der Kinder, leider.
    Viele von den perfekten Blogs lese ich nicht mehr weil ich mir dann kleiner vorkomme und soll ich Dir was sagen… ich habe mich irgendwann bewußt gegen die schönen Blogs entschieden, um MICH nicht klein zu fühlen.
    Du BIST eine schöne Frau aber von Deiner Schönheit oder Deinem Selbstvertrauen hätte ich gern manchmal ne Scheibe ;-)

    LG

  • Reply
    franziska
    20. April 2017 at 20:56

    Also, ich zum Beispiel vergesse an vier von fünf Arbeitstagen, dass ich mich eigentlich noch schnell schminken wollte, bevor ich aus dem Haus rase. Frühstück oder Wimperntusche – ersteres einigermaßen in Ruhe zu kriegen und mir nicht unterwegs unbedacht reinpfeifen zu müssen, ist mir irgendwie wichtiger. Dann sieht man halt hinter der Brille meine Augenringe … Ja sorry, aber manchmal isses halt auch voll anstrengend. Muss ich denn immer so tun, als ob alles perfekt wäre? Nö, das muss keiner. Insofern, ein Hoch auf alle Falten und Dellen und Bärchenhosen!!

  • Reply
    Kim
    20. April 2017 at 21:13

    mega.

  • Reply
    Dani Förster
    21. April 2017 at 8:47

    Danke! Genau im richtigen Moment lese ich deinen Beitrag! Du hast so recht!

  • Reply
    Susan
    21. April 2017 at 11:25

    Ganz wunderbarer Text! Fühle mich sehr verstanden in meiner Wohlfühlhose. ❤️

  • Reply
    Stella
    21. April 2017 at 11:41

    Liebe Berit, du hast recht und ich weiß das, aber dennoch fühlt es sich manchmal einfach nicht so an. Das Thema Selbstliebe funktioniert für mich auf vielen Ebenen, Schönheit ist da ein Punkt und für mich tatsächlich der schwierigste. Diese Idee, dass alles besser wird, wenn man nur sportlich, schlank, die passende Kleidung und Frisur trägt, die fühlt sich sehr oft sehr wahr an und ich werde sie einfach nicht los. Obwohl ich weiß, dass sie Schwachsinn ist.

    Ein schöner und ehrlicher Beitrag, lieben lieben Dank.

  • Reply
    Maike
    21. April 2017 at 15:44

    Ein sehr schöner Artikel und ein besonders guter Plan, liebe Berit! Ich weiß genau, was Du meinst. :-)
    Mir gehen dazu gerade ganz viele Dinge dazu durch den Kopf:
    Für mich ist es so, dass ich noch nie zur Schönheitsprinzessin getaugt habe. Dafür war ich schon immer optisch zu robust. Einerseits war ich darüber im traurig, andersrum habe ich mir daher auch nicht zu viel Stress mit dem Aussehen gemacht. Also, von der Figur her mal abgesehen… ;-) Klar, ich sehe schon zu, dass ich morgens mit ein bißchen Schminke im Gesicht aus dem Haus gehe, weil ich mich dann selber besser leiden kann. Und ich würde nie mit Fell an den Beinen kurze Hosen tragen… Ist das doof? Vielleicht. Auch wenn ich nie besonders schön war, achte ich schon ein wenig auf mich.
    Aber ich glaube, wenn man von klein an das hübsche Mädchen ist, wird man auch in eine Richtung gedrängt, wo man dann auch Gas geben muss, damit es so bleibt. Insofern weiß ich auch nicht, ob ich schöne Frauen wirklich beneide.
    Die ganze Zeit, die Frauen für die Schönheit aufwenden, könnten wir zum Teil echt besser in unsere Karriere – im Sinne von finanzieller Unabhängigkeit – oder in ein schönes, befriedigendes Hobby stecken.
    Mir geht es mittlerweile echt auf den Keks, dass Frauen immer noch so massiv nach dem Aussehen beurteilt werden. Da urteilen Typen, die aussehen wie eine Pfanne Würmer, über das Aussehen von Frauen. WTF! Und natürlich muss man sich von verletzenden Worten nicht beeindrucken lassen, aber dafür braucht man auch ein ganz schön dickes Fell.
    Ich arbeite ja mit Frauen, die sich selbständig machen wollen, und beobachte da viele, die sehr mit sich hadern, an sich zweifeln und sich vieles nicht zutrauen und damit total hinter ihren Möglichkeiten bleiben. Das finde ich so schade. Und das alles auch, weil wir Frauen uns ständig mit dem Thema Schönheit beschäftigen und uns das ja meist nur runter ziehen kann.
    Wenn es so wäre, dass wir uns was Gutes tun, uns was hübsches kaufen und uns ehrlich darauf freuen, uns hübsch zu machen, finde ich das total prima. Weil es dann mit eigener Wertschätzung zu tun hat. Wenn es aber nur darum geht, irgendwie mithalten zu können und das Gefühl überwiegt, dass wir sowieso nicht genügen, finde ich das unglaublich traurig.
    Zu welcher Kritik Frauen sich selbst gegenüber oft fähig sind, bricht mir manchmal echt das Herz.
    Tolle Frauen mit dem Herz am rechten Fleck, die ihr Leben trotz widriger Umstände meistern, Kinder groß ziehen und dabei noch so viel erreichen, fühlen sich trotzdem ungenügend.
    Ich glaube, dass wir in Deutschland schon vieles erreicht haben, was das Frauenbild und die Frauenrolle angeht. Wenn ich mir angucke, wie mit Frauen in anderen Ländern umgegangen wird, bin ich wirklich froh, in Deutschland geboren zu sein. Aber vielleicht sind wir, was das angeht tatsächlich noch nicht so weit, wie wir immer denken.
    Ich finde: Wir sollten uns schön machen für uns selber und uns mit unseren optischen Schwächen gern haben. Und schön werden wir durch eine Ausstrahlung, die auch daher rührt, dass wir mit uns im Reinen sind.

    Liebe Berit, ich drücke Dir die Daumen, dass es Dir gut gelingt, was Du vorhast! Du bist eine schöne Frau. Ganz ehrlich!

  • Reply
    Eva
    21. April 2017 at 15:51

    Das habe ich sehr gerne und ganz in Ruhe gelesen trotz wie immer wenig Zeit. Irgendwie mag ich ja diese schönen Bilder auf Instagram. Aber an zu vielen Tagen hinterlassen sie diesen von dir beschriebenen Beigeschmack. Ich nehme mir auch einen entspannten Blick auf mich selbst vor. Alles andere ist ja auch irgendwie doof.
    Hab ein schönes Wochenende, liebste Grüße
    Eva

  • Reply
    Alizeti
    25. April 2017 at 12:12

    Vielen Dank für diesen wundervollen Beitrag!! <3

    • Reply
      Berit
      3. Mai 2017 at 13:51

      Sehr gerne! Kann man ja nicht oft genug sagen, ne?

  • Reply
    Kathrin
    26. April 2017 at 17:07

    Liebe Berit, welch wundervoller Post!!! Das Thema ist bei mir gerade sehr präsent und ich bin dabei mich selbst anzunehmen und nicht irgendeinem Wahn hinterher zu hecheln! Das ist nicht immer leicht, meistens sogar überhaupt nicht! Gerade gestern hatte ich mit einer Freundin genau dieses Gespräch über die Gesellschaft und was einem aufgedrückt wird! Unfassbar! Meine eigene Mutter hat mich früher „mein kleines Klöschen“ genannt! Klar es war liebevoll gemeint, aber es hat etwas in mir zerstört und das ist bis heute nicht wieder heile geworden! Auch zum Thema lese ich gerade ein Buch „Die Kunst der Selbstachtung“ – da steht auch ganz viel über Selbstliebe und Akzeptanz drin, das ist so wertvoll! Gerade heute nachmittag hatte ich auch dieses Gefühl des „unfassbaren Weltschmerzes“ – die Periode ist wohl im Anmarsch – und dachte: „Bin ich die Einzige, die so fühlt!?“ Und dieses Mutterdings, ja du hast recht, als Mutter ist es fast noch ein bisschen schlimmer mir dieser Selbstoptimierung! Man sieht diese wahnsinnig gut aussehenden und gestylten Mütter, die immer alles im Griff haben, sogar mit 4 Kindern und man selbst mit „nur“ einem Kind fühlt sich total unfähig alles (Kind, Haushalt, Arbeit…) auf die Reihe zu bekommen! Danke für diesen Denkanstoß und viel viel Erfolg und Kraft für Dein Projekt des „Aussteigens“ – ich arbeite parallel auch mit, Du bist nicht allein! ;) Hab eine tolle Restwoche! <3 Kathrin

  • Leave a Reply