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8 Filme, die wehtun und trotzdem glücklich machen

 

Eigentlich ist Sommer, der pausiert aber gerade mal wieder. Anstatt mich auf einschlägigen Social Media Plattformen darüber zu beschweren, lasse ich mich einfach auf die Pause ein. Im Klartext: ich mecker nicht über das Wetter, verziehe mich auf die Couch und konsumiere einen Film nach dem anderen. Zugegeben, der Titel dieses Posts ist etwas reißerisch, man könnte meinen, dieser ist gewählt, um möglichst viele Klicks zu bekommen. Nope, genauso würde ich meine liebste Art von Filmen beschreiben. Die Filme tun weh und sind manchmal unbequem anzuschauen, machen mich aber trotzdem glücklich. Ich mag Filme, die Themen behandeln, die sonst in Filmen und im Leben oft ignoriert werden. Obwohl diese Themen und die Machart der Filme nur beim Zuschauen oft für Unbehagen sorgen, macht es mich glücklich am Ende so viel gespürt zu haben. Für mich ist ein guter Film oft der, der mir neue Perspektiven schafft und mich zum Nachdenken bringt, der, der mich auf Themen stößt, über die ich sonst nie nachdenken würde, der, der sich wertvoll anfühlt.

 

 

1.In einer besseren Welt

Ein dänisches Drama, in dem sich zwei Jungs in der Schule begegnen. Beide sind Außenseiter und haben ernste Probleme zu Hause. Elias und Christian freunden sich an, nicht zuletzt, weil sie beide von der „coolen“ Clique in der Schule gemobbt werden. Die Probleme mit den Eltern und die Angriffe in der Schule werden immer schwerer und der Zuschauer beobachtet die damit verbundene Entwicklung der beiden Kinder. Letztendlich schmieden die Jungs einen verheerenden Racheplan, weil sie sich nicht anders zu helfen wissen. Die Szenen spitzen sich immer weiter zu und die Bilder, ja der Look des Films wirkt trotzdem fast poetisch. Sehr fein gezeichnet bekommen wir hier Kinder präsentiert, die in einem „normalen“ Leben mit zwar schlimmen, aber nicht ungewöhnlichen Problemen kämpfen. Die Umstände und Emotionen kommen zusammen und enden in Hilflosigkeit. Der Film zeigt, wie Kinder unheimlich schnell in gewaltvollen Umgang und ihr persönliches Unglück abrutschen, ohne das wir Erwachsenen es merken.

 

 

 

2. die Wand

Mit einem befreundeten Paar begibt sich eine Frau auf eine Hütte in den Bergen. Das Paar geht abends noch ins Dorf und die Frau bleibt auf der Hütte und geht schlafen. Am nächsten Morgen wacht sie auf und stellt fest, dass sie noch immer alleine ist. Zusammen mit dem Hund geht sie auf die Suche nach ihren Freunden. Sie läuft durch die wunderschöne Landschaft und stößt plötzlich gegen eine unsichtbare Wand. Sie muss feststellen, dass sie komplett von dieser Wand umgeben ist und sie nicht durchbrechen kann. Sie sieht Menschen hinter der Wand, die wie eingefroren wirken, und weiß natürlich keine Erklärung. Letztendlich muss sie sich ihrer Situation anpassen und sich mit ihrer Einsamkeit auseinandersetzen. Wir beobachten ihren Kampf gegen die Einsamkeit bis an den Rande der Verzweiflung. Um nicht den Verstand zu verlieren, beginnt sie ihre Geschichte aufzuschreiben und sich ihren Gedanken zu stellen. Der Film ist ruhig und langsam, die Herangehensweise an das Thema „Einsamkeit“ fand ich mega spannend.

 

 

 

3. We need to talk about Kevin

(Leider habe ich zu dem Film keinen Trailer gefunden, den ich benutzen dürfte. Aber ihr wisst ja, wo man sich Trailer so anschauen kann.)

Ich greife vor, in dem ich euch sage, dass es in diesem Film um einen Schüler geht, der einen Amoklauf begeht. Nur würde ich euch das nicht jetzt schon verraten, wäre das langweilig und ich verspreche, dass sich der Film trotzdem sehr lohnt! Der Film begleitet Kevin von seiner Geburt, bis zu dem Amoklauf. Er ist ein Schreikind (das sagt man so, oder?), seltsam und immer irgendwie aggressiv. Ein Sonderling mit Zügen, die an Psycho erinnern. Warum, dass wissen wir nicht. Die Eltern in dem Film übrigens auch nicht so richtig. Es scheint eine Mischung aus vielen kleinen Faktoren zu sein. Die Mutter (Oh, mein Gott, wie liebe ich Tilda Swinton!) hat Probleme Kevin zu lieben, ist überfordert und versucht aber immer für ihn da zu sein. Warum ich diesen Film empfehle? Es ist unheimlich interessant, wie der Film uns zeigt, dass aus „normalen“ Jungs Amokläufer werden können. Feinheiten von Kevins Psyche sind in diesem Film so gut dargestellt, dass es Spaß macht ihn zu gucken. Wir Zuschauer werden durch einen Wirbelsturm an Emotionen geführt: Mal fühlt man mit, mal hasst man Kevin und dann noch die Verzweiflung der Mutter, die man selbst als Zuschauer so sehr spürt. Es ist etwas platt gesagt, dass mich das Thema „Amoklauf“ interessiert. Vielmehr beschäftige ich mich gerne mit der Frage, warum Menschen „böse“ Handlungen tun und wie es dazu kommt.

 

 

4. The Impossible

Dieser Film ist ein Film zum Heulen und auch das mag ich manchmal. In „The Impossible“ wird die wahre Geschichte der Familie Belon erzählt. Die Familie befand sich 2004 während des Tsunamis auf Khao Lak und hat diese schlimme Naturkatastrophe miterlebt. Der Urlaub der Familie startet wunderschön, mit Traumstränden und einem hübschen Hotel, nach drei Tagen wird die Familie innerhalb von Sekunden von der Welle überrascht. Der Film zeigt zum einen das Schicksal der Familie, die durch den Tsunami getrennt wird, zum anderen zeigt er aber auch sehr schmerzhaft die Folgen der Katastrophe.

 

 

 

5. Glück

Wie weit würdest du gehen für dein Glück? „Glück“ erzählt die Geschichte von zwei traumatisierten Menschen, die sich verlieben und um ihr Glück kämpfen. Irina ist Kriegsflüchtling und zur Prostitution gezwungen, Kalle ist obdachlos und voll von Problemen. Die kleinen Momente und die Art, wie in diesem Film glück beschrieben, wird ist sehr toll und mitreißend. Die zwei Protagonisten sind gezwungen um ihr Glück zu kämpfen, was mich dazu gebracht hat, über Glück und Glücksmomente nachzudenken. Mehr von der Geschichte möchte ich gar nicht verraten, beschäftigt euch ruhig mal mit eurer Vorstellung von Glück, tut ein bisschen weh, macht aber auch sehr froh!

 

 

 

6. Das Herz ist ein dunkler Wald

(Hier habe ich leider keinen offiziellen Trailer gefunden, den ich benutzen darf. Aber ihr wisst ja, wo ihr euch Trailer anschauen könnt.)

Marie ist mit Thomas verheiratet und hat mit ihm zwei Kinder. Sie führen ein „normales“ Familienleben, als sie eines Tages entdeckt, dass Thomas noch eine andere Familie ganz in der Nähe hat. Zusammen mit ihrer ehemaligen Freundin Anna hat er ebenfalls ein Haus und Kinder. Der Film zeigt, wie Marie versucht mit dieser Entdeckung klarzukommen. Der Boden unter ihren Füßen schwindet immer mehr und die Demütigung steigert sich. Bisher könnte das auch die Story eines 08-15-Hollywoodstreifens sein, aber das besondere an dem Film ist die Machart. Maries Gefühlsleben wird mit teils theaterähnlichen Szenen und surrealen Elementen dargestellt, ein bisschen wie Kunst. Wer sich für filmische Mittel interessiert, sollte diesen Film anschauen.

 

 

7. Danish Girl

Wahrscheinlich habt ihr den Film alle schon gesehen, oder? Er soll trotzdem nicht unerwähnt bleiben, denn das Thema des Films ist so wichtig und außerdem hat mich der Film absolut umgehauen. Wir befinden uns in den 1930ern: Gerda ist Künstlerin und lebt mit ihrem Mann Einar zusammen. Eines Tages fällt ihr weibliches Model aus und sie bittet Einar für sie, als Frau Model zu stehen. Beide sind hinterher auf unterschiedliche Weise beeindruckt von der Situation. Einar, weil er merkt, dass er sich als Frau sehr wohl fühlt und die Verkleidung eine Sehnsucht in ihm geweckt hat, Gerda, weil Einar die Frau so perfekt gespielt hat, dass sie ihn gut malen konnte. Immer wieder kommt es zu Situationen, in denen Einar sich verkleidet, unterstützt von Gerda. Er geht sogar als Frau zu öffentlichen Veranstaltungen. Als Gerda bemerkt, dass es für Einar nicht bloß ein Spiel ist, ist für ihn bereits klar, dass er in dem Körper einer Frau leben möchte. Letztendlich wagt Einar, als einer der ersten Transsexuellen, den Schritt zu einer damals kaum erprobten OP um den Körper einer Frau zu bekommen. Der Weg von der leisen Sehnsucht über seinen Identitätsverlust bis hin zu dem Mut zu dieser OP ist in dem Film so grandios gespielt und dargestellt. Unbedingt anschauen, bitte!

 

 

 

8. Die Jagd

(Zu diesem Film habe ich leider keinen offiziellen Trailer gefunden, den ich verwenden darf. Aber ihr wisst ja, wo ihr Trailer anschauen könnt.)

Eine kleine Lüge trifft einen unschuldigen Mann. Lucas hat gerade eine Scheidung hinter sich und arbeitet in seinem Heimatdorf als Kindergärtner. Er betreut dort viele Kinder von Freunden und Bekannten, ein Dorf eben. Ausgerechnet die Tochter seines besten Freundes behauptet eines Tages, dass Lucas ihr seinen Pimmel gezeigt hat. Dann beginnt die Jagd! Ohne Details zu hinterfragen, wird Lucas von seinen Kollegen, seinen Freunden und anderen Dorfbewohnern verurteilt. Er bekommt nicht die Chance die Situation richtigzustellen, sondern muss sich verstecken. Sein (ehemals) bester Freund hetzt das ganze Dorf auf, weil er überzeugt davon ist, dass seine Tochter nie lügt. Nach der Scheidung ist Lucas Verhältnis zu seinem Sohn schwierig und wird nun kaum machbar. Der Sohn wird im Supermarkt nicht mehr bedient und spürt den Hass, der seinem Vater gilt. Dieser Film ist mehr sehr wichtig, denn ich glaube, dass er sehr realistisch ist und diese Geschichte genauso passieren könnte. Bei dem Thema Kindesmissbrauch brennen bei Menschen Lampen durch, was meist nicht gut ist. Auf der Liste der mit Vorsicht zu behandelnden Themen steht Kindesmissbrauch ganz oben und das sehen viele Menschen nicht. Außerdem ist es erschreckend zu sehen, wie schnell manche Menschen sich dem Hass und der Gewalt hingeben. Nicht schön, aber wichtig mal drüber nachzudenken!

 

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8 Comments

  • Reply
    Jacqueline
    11. Juli 2017 at 11:16

    Liebe Berit,
    ein toller Post. Ich mag solche Filme auch sehr gerne. Ab und an. Wenn ich wirklich in Stimmung dafür bin.
    Der letzte Film der mich wirklich zum Nachdenken gebracht hat war Captain Fantastic. Vllt kennst du ihn schon?
    Dahinter versteckt sich kein, wie man im ersten Moment denken könnte, Superheld. Sondern ein Vater.
    Sehr sehenswert und er macht nachdenklich über Werte und den Umgang mit Erziehung. Trifft mich momentan zwar nicht so sehr, da ich noch keine Kinder habe. Aber ein Gedanke ist es dennoch Wert.

    Eine wunderbare Woche für dich!
    Jacqueline

    • Reply
      Berit
      21. Juli 2017 at 12:42

      Liebe Jacqueline,
      der Film sagt mir gar nichts, klingt aber sehr interessant! Habe den Film auf meiner Liste und werde ihn mir ansehen :)
      viele Grüße und schönes Wochenende
      Berit

  • Reply
    Jules kleines Freudenhaus
    12. Juli 2017 at 11:17

    Danke für die tollen Tipps liebe Berit. Ich werde ja im Mutterschutz bald viiiieeeel Zeit haben, um deine tollen Filme anzuschauen. Dafür freue ich mich im Januar besonders auf die Verfilmung eines genialen Buchs „Wunder“. Der ist doch bestimmt auch was für dich: http://www.filmstarts.de/kritiken/232132.html

    Liebste Grüße durch den Regen zu Dir
    Jules

    • Reply
      Berit
      21. Juli 2017 at 12:38

      Danke, Jules! Ich wünsche dir schonmal viel Spaß beim Glotzen :) Wunder kenne ich bisher nicht, werde ich mir aber anschauen.

  • Reply
    Michelle
    12. Juli 2017 at 22:59

    Danke für die filmtipps! Ich mag solche schöntraurigen Geschichten auch gern 😊

    • Reply
      Berit
      21. Juli 2017 at 12:43

      sehr gerne :)

  • Reply
    julia von my home is my horst.de
    13. Juli 2017 at 7:58

    Liebe Berit!
    Das ist so ein toller Blogbeitrag und ich habe jetzt so Bock, mich mit einer Tüte Chips auf die Couch zu hauen und tagelang zu glotzen! Leider habe ich dafür keine Zeit und wo bekomme ich die genannten Filme her? Kannst Du mir dazu auch einen Tipp geben? Auf youtube bekommt man meistens doch nur Trailer, oder? Bestellst Du Dir die als DVD bei einem Online Verleih oder streamst Du die und wenn ja, wo??? Ich habe das noch nie gemacht.
    Kennst Du: – Babel?
    – Mein Leben ohne mich?
    – Der Mann der Frisöse?
    – Nichts als Gespenster ?
    – Gegen die Wand ?
    – Monsterball?
    Das wären so spontan meine Lieblingsfilme! Alle empfehlenswert. Schade, dass Du so weit weg wohnst, sonst könnte man mal einen Filmabend starten :-) Liebe Grüße und hab vielen Dank für den großartigen Beitrag!
    JUlia

    • Reply
      Berit
      21. Juli 2017 at 12:37

      Liebe Julia,
      vielen Dank für deinen Kommentar und die Filmtipps. Ich kenne einige der Filme nicht und werde mir die anschauen. Also ich bin seit Jahren bei Lovefilm angemeldet. Da habe ich eine App, in der ich eine Leihliste anlege und bekomme jeden Monat Dvds per Post geliehen. Dann habe ich noch Netflix, da ist die Filmauswahl aber nicht so super. Ein ganz großes Glück ist die super Filmauswahl in unserer Stadtbibliothek. Das ist unglaublich toll! Ich glaube, bei Youtube kann man mittlerweile gegen Geld auch ganze Filme ansehen. Hilft dir das?

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